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Aristoteles Vater der Wissenschaft [14.12.2021]


„… auch hier bemüht sich Aristoteles wieder Ordnung zu schaffen. Er unterteilt die Natur zunächst in seelenlose Dinge und lebende Wesen.“


„Die seelenlosen Dinge … können aus sich heraus nicht selbst verändern. Wenn etwas mit ihnen geschieht, dann nur mit Einwirkung von Aussen. Ein Stein liegt eben nur irgendwo herum. Wenn man ihn nicht wegtritt, bleibt er bis in alle Ewigkeit wo er ist. Und wenn er irgend wann mal zu Sand wird, dann war das nicht der Stein selbst, sondern Wind und Wasser haben ihn so verändert.“


„Die lebenden Wesen dagegen haben die Möglichkeit der Veränderung in sich selbst.“


„Aristoteles unterteilt diese Grupper wiederum in drei Untergruppen: Pflanzen, Tiere und Menschen.“


„Materie wird immer geformt.“


„Die Philosophie beginnt mit dem Staunen über die Welt.“




"... oder wie liesse sich das Glück bewahren und aufrecht erhalten ohne wohlwollende Gesinnung anderer."


"Das Band welches die Sympathie stiftet hält augenscheinlich auch die staatliche Gemeinschaft im Gange. Und die Gesetzgeber legen auf dasselbe grösseren Wert als selbst auf die Gerechtigkeit."


"Wo das Gefühl des Wohlwollens herrscht, da braucht man nicht die Gerechtigkeit anzurufen. da gegen wo der Sinn für das Recht vorhanden ist, da bedarf es immer noch es immer noch der wohlwollenden Gesinnung. Und die Gerechtigkeit im höchsten Sinne erscheint als Frucht wohlwollender Triebe."


"So sagt Euripides es liebt das Land den Regen, das ausgedörte nämlich und es liebt der heere Himmel wenn er Regen schwer zu Erde sich zu senken. Und Heraklit spricht vom widerstrebenden das zusammen hält. Er meint aus der Verschiedenheit ergebe sich die schönste Harmonie und alles erzeuge sich auf dem Wege des Streites."


"In den Gegensatz zu diesen stellt sich mit anderen auch Empedokles nach dem das Gleiche dem Gleichen zustrebt."


"...dahin gehört die Frage ob die Gefühle der Sympathie unter allen bestehen könnte? Oder ob es nicht viel mehr bei schlechten Menschen unmöglich ist ob sie füreinander Zuneigung empfinden."


"Ferner die Frage ob es nur eine Art von freundschaftlicher Verbindung gibt oder mehrere? Diejenigen welche nur eine Art annehmen, aus dem Grunde weil sie ja ein mehr oder minder zulasse, stützen ihren Ansicht auf ein Kennzeichen, dass man keineswegs auf triftig anzuerkennen braucht. Denn ein mehr oder minder kommt auch da vor, wo sicher eine Verschiedenheit von Arten vorhanden ist."


"Zweitens: Arten der Verbindung zwischen den Menschen: A) Gründe der Befreundung:"


"Gilt nun die Liebe der Menschen dem was gut ist oder dem was für sie gut ist?"


"...ebenso steht es mit dem angenehmen: es scheint doch das jeder liebt was ihm gut ist und danach wäre Gegenstand der Liebe schlechthin das Gute, für den Einzelnen aber das was für ihn gut ist [hierzu zählt gemäss Aristoteles auch was für jene Person als gut zu sein scheint]."


"Es wäre doch eine lächerliche Vorstellung dem Weine etwas gutes antun zu wollen, höchstens will man ihn doch nur aufbewahren um ihn zur Verfügung zu haben."


"Dagegen heisst es, dass man dem den man freundlich gesinnt ist, alles gute wünschen muss, um seiner selbst willen. Diejenigen die in dieser Weise anderen Gutes wünschen, nennt man wohlwollend wenn ihnen von jenen nicht das Gleiche zuteil wird. Denn ist das Wohlwollen gegenseitig so nimmt es den Namen der Freundschaft an."


"...denn es kommt vor dass man Wohlwollen für solche hegt die man nie gesehen hat."


"B ) Unterschiede in den Befreundungsverhältnissen:"


"... solche Zuneigung also gründet sich auf Nebenrücksichten, nicht deswegen weil er der oder der ist, wird derjenige dem man seine Neigung zuwendet zum Gegenstand der Neigung, sondern weil er in einem Falle Vorteil [streben nach eigenem Vorteil] im anderen Falle Vergnügen [streben nach Annehmlichkeit] bereitet. Solche Verhältnisse sind denn auch leicht lösbar, wenn die Menschen nicht die gleichen bleiben. Bereiten sie kein Vergnügen oder kein Vorteil mehr, so erlischt die Zuneigung zu ihnen. Vorteil aber erhält sich nicht dauernd, sondern ist zu verschiedenen Zeiten verschieden."


"Nimmt die Zahl der Jahre zu, so ändern sich auch die Dinge, an dem man Vergnügen findet. Deshalb wird in der Jugend Freundschaft schnell geschlossen und auch schnell wieder gelöst. Denn die Freundschaft schwindet wie die Freude und die Veränderung in dem was Freude macht, geht schnell von statten [in bestimmter Weise verlaufen]."


"Denn dem Sprichwort zufolge lernt man einander nicht eher kennen, als bis man das bekannte Mass Salz zusammen verzehrt hat. Man kann nicht früher gefallen aneinander finden, bevor jeder vom Werte des anderen völlig überzeugt ist und sein volles Vertrauen erlangt hat."


"Denn wenn die Menschen von Freundschaft auch da reden wo es nur den Vorteil gibt, wie bei den Staaten, denn die Bündnisse zwischen Staaten werden augenscheinlich nur um des Vorteils Willen geschlossen und da wo man sich um des Vergnügens Wille gern hat wie die Kinder, so werden dementsprechend auch wir von Freundschaft in solchen Verhältnsisen sprechen dürfen und dann mehrere Arten von Freundschaft annehmen müssen."


"Räumliche Entfernung steht also nicht der Freundschaftsgesinnung an und für sich, sondern nur ihrer Betätigung im Wege."


"Denen die man liebt, wünscht man alles. Gute um ihrer selbst willen."


"Bei verdriesslichen und bei bejahrten Leute kommen Freundschaftsverhältnisse desto weniger zu stande, je übler ihre Laune ist und je weniger sie Freude am Umgang mit anderen haben."


"Mit vielen Freundschaft zu pflegen im Sinne der vollkommensten Freundschaft geht nicht wohl an, wie man ja auch nicht zu vielen zugleich in einem Liebesverhältnis stehen kann."


"Und ihm als Menschen wird der Freund die grössten Güter wünschen. Allerdings nicht alle, denn jeder Mensch wünscht an erster Stelle alles. Gute sich selbst."


"Darum haben die meisten die Schmeichler gern, denn der Schmeichler ist ein gut meinender Mensch. Der sich unterordnet oder er gibt sich wenigstens so und nimmt die Miene an, als ob mehr Freundlichkeit zu erweisen als zu empfangen wünschte."


„Im allgemeinen gilt der Satz dass wenn Entgegengesetztes einander zu strebt, dies nicht an der Sache selbst sondern an besonderen Umständen liegt. Das Streben geht auf das Mittlere zwischen den Gegenständen. Denn dieses Mittlere bezeichnet [definiert, bestimmt] das Gute.“


„So ist es für das Dürre [nicht gut bzw. nicht hinreichend] gut, dass es nicht nass werde. Sondern dass es in den mittleren Zustand gelange. Und das Gleiche gilt auch für das Warme.“


„Drittens [C)], Freundschaftsverhältnis und Rechtsverhältnis:“


"Denn Wohltaten zu empfangen wünschen sich die meisten, sie zu erweisen meiden sie als eine Last."


„So erging es einst einem Virtuosen [Person, die ihre Kunst technisch vollendet beherrscht] dem versprochen worden war, je besser er spiele, desto höher würde seine Belohnung sein. Als er nun am folgenden Tage um Erfüllung des Versprechens ersuchte, erhielt er zur Antwort: Für das Vergnügen dass er bereitet habe er ja sein Vergnügen bereits erlangt.“


„Selbstliebe und Nächstenliebe: Man darf die Betätigungsweisen in denen sich liebevolle Gesinnung darstellt und dasjenige was ihren Begriff bezeichnet, als abgeleitet ansehen, aus dem Verhältnis indem wir zu uns selber stehen.“


„Ist doch der Freund sein anderes selbst.“


„So darf man sagen die Liebe zu anderen trägt diese Züge. Und in Liebe verbunden sind die, bei denen sich diese Züge wiederfinden.“


„Doch darf man nach den obigen Ausführungen annehmen, dass ein solches Freundschaftsverhältnis insofern vorhanden ist als man an einem Menschen zwei oder mehrere Seiten seines Inneren unterscheidet. Und dass die Freundschaft mit anderen in ihrem höchsten Sinne dem Verhältnis ähnlich ist, in welchem man so zu sich selbst steht.“


„… einig sind, dass die Besten die Herrschaft haben sollen. Denn dann erlangen alle was sie anstrebten. Die Eintracht stellt sich also als freundschaftliche Gesinnung unter Mitbürgern dar und so fasst sie auch der Sprachgebrauch.“


„… gerade wie es mit der Freundschaft zwischen ihnen der Fall ist. Wo es einen Vorteil gibt, da bedenken sie immer nur sich selbst. Und wo es gilt eine Mühe oder Leistung zu übernehmen, da versagen sie. Da jeder so mit seinem Willen auf den eigenen Nutzen gerichtet ist, so kritzelt er an dem anderen herum und bildet nur ein Hindernis. Denn ein Gemeinwesen muss zu Grunde gehen wenn es nicht wohl gepflegt wird. Die Folge ist allgemeine Zwietracht, einer schiebt dem anderen die Nötigung zu, selbst will aber keiner leisten…“


„Wohltäter und Empfänger: Wohltäter hegen im allgemeinen eine wärmere Gesinnung für die von ihren bedachten als diese für ihre Gönner hegen. Und dafür sucht man nach einer Erklärung, wie für eine unverständliche Erscheinung.“


„So liebt man das Geld mehr, wenn man es selbst erworben hat, als wenn man es geerbt hat. Wohltat empfangen ist aber im allgemeinen mühelos, sie erweisen mühevoll.“


„Deshalb ist auch die Liebe der Mutter zu dem Kinde die grössere, denn sie hat es mit Schmerzen geboren und sie hat die stärkere Empfindung, dass das Kind das ihre ist. Eben dies darf man sagen ist für den Wohltäter das eigentümlich bezeichnende.“


„So ergibt sich aus alledem, dass für jeden wie seine eigene Existenz ebenso oder nahezu so auch die Existenz eines Freundes etwas erwünschtes ist. Die Existenz aber dazu wünschen wegen des Bewusstseins des Guten im eigenen Wesen. Und ein solches Bewusstsein ist an und für sich erfreulich. Man muss also auch ein Bewusstsein von der Existenz des Freundes [und dem Guten in diesem anderen Wesen] haben und dieses kann man erlangen durch das Zusammenleben und den Austausch von Worten und Gedanken. Denn das ist es was für das Zusammenleben von Menschen das Bezeichnende ist. Nicht das Weiden auf der selben Weide wie beim lieben Vieh.“


„… daher das [Sprich-] Wort: Gutes lernt man von Guten.“





„…wenn man fest hält dass der Neid ein Unlustgefühl ist, über ein uns in die Augen fallendes Glück in betreff der oben genannten Güte von welchen die Leute unseres gleichen umgeben sehen.“


„Ein Unlust Gefühl das nicht auf den Wunsch jene guten Dinge selbst zu besitzen, sondern lediglich gegen jene besitzenden Personen gerichtet ist.


„Neid empfinden werden demnach solche Menschen denen, gewisse andere gleich stehen oder als gleich stehend erscheinen“


„…ständig wollen Redner überzeugen, dabei helfen Argumente. Sie sind aber nicht das einzige Mittel um auf die Urteilsbildung anderer Einfluss zu nehmen. Denn auch unsere Emotionen prägen unser Urteil.“


„Folglich können Redner ihr Publikum auch dadurch beeinflussen, dass sie bestimmte Emotionen hervorrufen und andere unterbinden.“


„Jetzt wollen wir angeben, welche Dinge mit Leid [=Mitleid] erregend sind.“


„Mitleid ist ein gewisses Schmerzgefühl über ein untergang- und schmerzbringendes Übel, welches wir einen Menschen treffen sehen, der es nicht verdient dasselbe zu erreichen. Ein Übel welches erwartungsgemäss auch uns oder einen der unsrigen treffen könnte. Und zwar wenn dieses Übel als nahe erscheint. Denn es ist klar, dass der welcher mit Leid [Mitleid] empfinden soll notwendig ein Mensch solcher Art und Verfassung sein muss. Dass er glauben mag es könne möglicherweise er selbst oder einer der seinigen irgend ein Übel erleiden.“


„Daher fühlen die ganz Elenden kein Mitleid. [Deshalb fühlen die ganz Elenden keinen mit Leid.] Denn sie glauben ihnen könne kein Leid mehr geschehen, weil sie schon das Äusserste erlitten haben.“


„Und ebenso wenig die welche sich für überglücklich halten. Denn diese letzteren sind übermütig.“


„Ferner die welche weder in einem männlichen Affekte sind wie im Zorn oder zuversichtlichen Mute, denn diese Affekte berechnen nicht was kommen kann, noch in einer übermütigen Verfassung [Gemütszustand].“


„Auch wer in grosser Angst ist, fühlt nicht mit Leid [Mitleid]. Denn die von einem Schreckensschlage getroffenen finden darum kein Mitleid weil sie völlig mit ihren eigenen Affekten hingegeben sind.“


„Ferner wenn jemand etwas gutes widerfährt, nach dem er bereits ausgelitten hat. Wie zum Beispiel dem Diopeithes die Geschenke des Königs erst zugeschickt wurden, als er bereits tot war.“


„Ferner fühlt man Mitleid mit solchen [Ferner fühlt man mit Leid solche] die nach Alter, Charakter, Verhältnissen, Stellung und Herkunft unseres gleichen sind. Denn bei allen diesen tritt es augenfälliger an uns heran, dass ihr Geschick auch uns gelegentlich treffen könne.“


„Überhaupt nämlich hat man sich an den Satz zu halten, dass für die Menschen dasjenige was sie für sich selbst fürchten, wenn es anderen widerfährt Gegenstand des Mitleids ist.“


„Der Empfindung des Mitleids zumeist entgegengesetzt ist die Empfindung, welche die Sprache mit dem Ausdrucke Empörung bezeichnet.“


„Denn wer sich über Leute betrübt welche von unverdientem Unglück heim gesucht werde, der wird sich auch freuen oder sich doch jedenfalls nicht betrüben welche verdientes Unglück erleiden.“


„Denn der Neidische ist ebenso zugleich auch schadenfroh, wer sich nämlich über etwas betrübt was einem anderen zuteil wird und was derselbe besitzt, der muss sich notwendig über die Entziehung und über die Vernichtung dieses Gutes freuen.“


„Deshalb sind diese Affekte samt und sonders [besonders] geeignet das Mitleid [das Empfinden mit dem Leid] nicht aufkommen zu lassen.“


„So folgt daraus notwendig dass man wenn Menschen ein und dasselbe Gut besitzen, über diejenigen in höherem Grade empört ist, welche erst jüngst sich im Besitze desselben und dadurch in glücklichen Umständen befinden. So kränkt uns in höherem Grade neu erlangter Reichtum als alter und geschlechter hindurch vererbter.“


„Denn in der Meinung der Menschen gilt dass was von jeher so war als das Richtige und darum also haben in ihren Augen die anderen etwas was ihnen nicht eignet.“


„…von dem der sie hegt heisst, er leiste einem Bedürfenden eine Freundlichkeit, nicht zur Vergeltung von irgend etwas auch nicht damit ihm dem leistenden selbst, sondern damit jenem dem Bedürfenden etwas zuteil [zu Teil] werde.“


„Wer uns daher in Armut und Verbannung hilfreich beisteht, wenn die Dienste die er leistet auch noch kleine Dinge betreffen, der hat eben wegen der Grösse unserer Bedürftigkeit und wegen des Moments Ansprüche auf unsere Dankbarkeit erworben.“


„Scham ist eine gewisse Unlustempfindung oder Beunruhigung welche sich auf diejenigen Übel bezieht, die in unserer Vorstellung zu üblem Rufe führen. Mögen dieselben nun gegenwärtig oder vergangen oder nahe bevorstehend sein.“


„Schamlosigkeit dagegen ist eine gewisse Geringschätzigkeit und Gleichgültigkeit gegen eben diese Übel.“


„…dass man sich über alle solche Übel schämt, die entweder in unseren eigenen Augen oder in den Augen derer, deren Urteil uns etwas gilt, etwas schimpflich erscheinen.“


„…gewinnsuchend von … Toten, daher das Sprichwort: ,Es womöglich sogar von den Toten nehmen‘. Denn das sind Handlungen schmutziger Gewinnsucht und Gemeinheit.“


„Jemanden ins Angesicht loben ist eine Handlung der Schmeichlerei. Ebenso von Angesicht zu Angesicht jemandes Vorzüge übermässig loben. Seine Fehler dagegen bemänteln, einem Trauernden ein Übermass von Beileid [bei Leid] bezeugen und was alles dergleichen mehr ist. Denn dass sind lauter Zeichen von Schmeichler.“


„Jemanden ins Angesicht loben ist eine Handlung der Schmeichlerei. Ebenso von Angesicht zu Angesicht jemandes Vorzüge übermässig loben. Seine Fehler dagegen bemänteln, einem Trauernden ein Übermass von Beileid [bei Leid] bezeugen und was alles dergleichen mehr ist. Denn dass sind lauter Zeichen von Schmeichler.“


„Dass jedermann sich vor denen schämt, auf die er etwas hält. Man hält aber etwas auf die die uns hoch halten. Oder die wir hoch halten, oder von denen wir hoch gehalten zu werden wünschen. Oder bei denen wir nach Geltung streben. Oder deren Meinung man nicht verachtet.“


„In den Augen wohne die Scham.“


„Ferner schämt man sich vor denen welche was sie sehen und erfahren unter die Leute zu bringen lieben. Denn es macht keinen Unterschied ob man etwas nicht für schimpflich ansieht oder es nicht weiter unter die Leute bringt. Ausbringerisch aber sind einerseits die von uns beleidigten weil sie auf eine Gelegenheit lauern es uns zu vergelten und andererseits die Afterrederischen [Verleumder]. Denn wenn diese letzteren selbst solche angreifen die nichts böses getan haben, um wie viel mehr diejenigen die etwas getan haben.“


„Sich überhaupt nicht schämen tut man vor denen welche man in Bezug auf ihre Fähigkeit ein richtiges Urteil zu haben als völlig nichtig ansieht.“


„…aus Scham vor solchen tut und unterlässt man vieles. Endlich [am Ende; Schlussendlich] verstärkt es unsere Schamempfindung wenn wir in der Situation sind in Zukunft vor den Augen und im Angesichte von solchen die um unsere Schande wissen, leben und verkehren zu müssen. Das hatte der Dichter Antifon im Sinne als er im Augenblicke seiner von Dionysios befohlenen Hinrichtung zu seinen Todesgefährten die er beim Ausgange aus den Toren des Gefängnisses sich das Gesicht verhüllen sah, das Wort sprach: Weshalb verhüllt ihr euch? Etwa damit euch morgen keiner von diesen da sehen möge?“


"Furcht ist eine gewisse unlust [nicht lustig] Empfindung oder Beunruhigung, entstanden aus der Vorstellung eines bevorstehenden Übels, dass entweder vernichtend oder eben schmerzlich in seinen Wirkungen ist."


"Denn icht alles was ein Übel ist fürchtet der Mensch. Zum Beispiel nicht ungerecht oder geistesträge zu werden. Sonder nur alles dasjenige was grosses Leid oder völlige Vernichtung mit sich führt. Und zwar wenn diese Wirkungen nicht ferne sondern als ganz in der Nähe erscheinen, so dass sie jeden Augenblick eintreten können. Denn was sehr ferne liegt fürchtet der Mensch nicht. Wissen doch zum Beispiel alle dass sie sterben werden. Allein weil es nicht jetzt sein soll, kümmert es sie nicht."


"Denn Gefahr ist nichts anderes als die Annäherung von etwas furchtbarem. Solcher Art [furchtbare] Dinge sind Feindschaft und Zorn von Leuten welche im Stande sind uns etwas anzutun. Denn dass sie den Willen dazu haben ist offenbar und folglich sind sie der Ausführung sehr nahe. Ferner Ungerechtigkeit welche Gewalt hat. Denn der Wille übles zu tun welches den Ungerechten zum ungerechten macht."


"Ebenso Tüchtigkeit [gute Tauglichkeit in bestimmter Hinsicht] wenn sie sich schimpflich behandelt sieht, sobald sie Macht in Händen hat. Denn den Willen hat sie offenbar sobald sie sich schimpflich behandelt sieht immer. Und in dem von uns angegebenen Falle tritt nun das Können hinzu."


"So ist es allgemein furchterregend in jemandes Hand zu sein."


"Denn im Allgemeinen tun die meisten Menschen Unrecht sobald sie in der Lage sind es zu können. Ferner die wirklich oder ihrer Ansicht nach ungerecht behandelten, denn sie lauern immer eine ungünstige Gelegenheit ab. Ebenso sind auch die [jenigen] welche Unrecht verübt haben, sobald sie Macht haben furchtbar [von Furcht geprägt], weil sie die Wiedervergeltung fürchten."


"Denn ein solches Verhältnis nahmen wir oben als furchterregend [Furcht erregend] an. Ferner diejenigen welche unsere Mitbewerber um alle solche Dinge sind die zweien zu gleich unmöglich zu teil werden können. [Allegorie: aufgeteilt auf zwei Personen bleibt immer noch etwas übrig; eine Person sogar stärker als zwei Personen; übermächtig scheinende Person] Denn gegen solche Leute befindet man sich immer auf dem Kriegs Fusse. Ferner diejenigen selbst stärkeren als uns Furcht erregen. Denn schliessen wir denn wenn sie selbst stärkeren als wir es sind zu schaden vermögen, um wie viel mehr uns."


"Ferner diejenigen welche schon Stärkere als wir sind zu Boden gebracht haben [oder in naher Zukunft bringen können]. Ferner die welche schwächere als wir sind verfolgen, denn solche sind entweder schon jetzt zu fürchten oder jedenfalls nach Vermehrung ihrer Kraft."


"Ferner unter den Beleidigten und uns feindlich gesinnten oder unseren Widersachern, nicht die hitzigen und offenen, sondern die Leisetreter, die ironischen und tükebolde. Denn man kann nicht merken ob sie nahe daran sind. So dass man also niemals gewiss ist, dass sie fern davon sind."


"Alles Furchtbare wird aber umso furchtbarer, wenn es der Art ist, dass es wenn wir ihm rechtzeitig zu begegnen verfehlen, nicht wieder gut gemacht werden kann. Sondern entweder überhaupt unherstellbar [nicht wieder herstellbar | rückstellbar] oder jedenfalls nicht in unserer sondern in unserer Gegnerhand liegt. Ferner alles wo gegen es gar keine oder nicht leicht Hilfe gibt."


"Was nun diejenigen anlangt welche nicht meinen dass ihnen ein Leid passieren werde, so sind das Einerseits die, welche in grossem Glücke und zu Leben scheinen und deshalb übermütige, geringschätzende und freche Gesellen sind."


"Denn der Mut ist das Gegenteil [gemäss Sinn aber nicht gemäss Zeit] der Furcht. Und das Mut einflössende [hinein fliessen | fliessen geht langsam] das Gegenteil des Furcht erregenden [Erregung kommt schnell].


"Mut einflössende Dinge sind ... ferner [desweiteren] das vorhanden sein bedeutender oder zahlreicher oder beides vereinigender Mittel zur Wiederherstellung eines bereits hereingebrochenen oder zur Hilfe gegen noch drohendes Unheil."


"Ferner wenn wir weder Unrecht erlitten oder Unrecht getan haben."


"Für überlegen [darüber liegen] aber achtet man sich anderen wenn man entweder sich selbst oder ihresgleichen oder stärkere als sie bereits früher besiegt."


"...für überlegen ...ferner wenn man sich in dem Falle befindet kein Unrecht getan zu haben, entweder überhaupt niemandem, oder nicht vielen, oder nicht solchen von denen man sich fürchtet."


"Lieben heisst einem anderen die Dinge die man für Güter hält wünschen. Und zwar um seinet und nicht um unseret Willen und ihm dieselben nach Möglichkeit zu Verschaffen suchet."


"Ferner müssen diejenigen Freunde sein für welche ein und dieselben Dinge erfreulich und unerfreulich sind. Und die dieselben Freunde und dieselben Feinde haben. Denn solche Menschen müssen notwendig ein und dasselbe wünschen. Woraus folgt: dass der der für einen anderen Dasselbe wünscht was er eben auch für sich wünscht, diesem anderen als Freund erscheint."


"Ferner lieben wir die Freunde unserer Freunde." [stimmt das?]


"Ferner [lieben wir] die welche den selben Menschen feindlich gesinnt sind. Und dieselben Menschen hassen, die auch wir hassen. Und von denselben gehasst werden, die auch von uns gehasst sind." [stimmt das?]


"Ursachen der Feindschaft sind Zorn, Misshandlung, Verleumdung." [Zorn=heftiger, leidenschaftlicher Unwille über etwas als Unrecht Empfundenes, dem eigenen Willen Zuwiderlaufendes] [Misshandlung=jede üble und unangemessene Behandlung eines anderen Menschen] [Verleumdung=dass jemand über eine Person ehrverletzende Behauptungen aufstellt, obwohl er weiß, dass sie unwahr sind]


"Zorn ... entsteht aus etwas das uns selbst widerfahren ist. Feindschaft dagegen auch ohne dass uns selbst etwas geschah. Denn selbst wenn wir bloss annehmen dass jemand dazu fähig sei, hassen wir ihn."


"Ferner richtet sich der Zorn immer gegen etwas individuelles ... der Hass dagegen auch auf ganze Gattungen."


"Der erstere [Zorn] sucht weh zu tun, der letztere [Hass] dagegen zu schaden. Denn der zürnende will das man seinen Zorn empfinde, während es dem hassenden darauf nicht ankommt."


"... dass es möglich ist, die welche Freunde und Feinde sind, also solche darzustellen. Ferner die welche es nicht sind dazu zu machen. Und die welche es zu sein behaupten zu widerlegen. Endlich [Schlussendlich auch] bei zweifeln ob etwas aus Zorn oder aus Feindschaft geschehen sei, den Zweifelnden auf die Seite zu lenken welche im Interesse des Redners liegt."


"Affekte sind alle solche Gemütsbewegungen in Folge deren die Menschen je nach dem Wechsel derselben in ihrem Urteil wechseln. Und mit welchem Lust und Unlust verbunden sind. Wie zum Beispiel Zorn, Mitleid und dergleichen mehr, so wie die Gegensätze derselben."


"...nun gibt es drei Arten missachtender Kränkung: Verachtung [nicht (be-)achten], mutwillige Verletzung und übermütige Beleidigung."


"Zum Übermute gehört ferner nicht Achtung, wer aber nicht achtet, der handelt geringschätzig kränkend. Denn nur was keinen Wert hat, hat keine Achtung. Weder im Guten noch im Bösen."


"Darum sind die Menschen im Zustande des Leidens, der Armut, des Liebesdranges, des Dürstens und mit einem Worte in allen Zuständen wo sie nach etwas verlange wo sie nach etwas verlangen ohne Befriedigung zu finden, zum Zorn und zum Aufwallen geneigt."


"Ferner steigert sich der Zorn noch wenn man zufällig in der Lage ist das Gegenteil erwarten zu dürfen."


"Ferner steigert sich unser Zorn noch, wenn Leute welche von gar keiner Bedeutung [bedeuten, nicht deuten können im Sinne von nicht die Richtung anzeigen bzw. vorgeben können] sind, uns irgendwie kränkende Vernachlässigung zeigen." [erklärt wohl warum keine Empathie auftritt gegenüber Menschen in gleicher Position wie sich selber in der Vergangenheit: weil man sich damals als nicht bedeutend in jener Position empfand]


"... ein Zeichen von feindseliger Gesinnung oder von Gleichgültigkeit. Desgleichen welche denen Nichts danach fragen ob sie uns weh tun oder nicht. Darum zürnt man auch den Verkündern schlechter Botschaften."


"Ferner zürnt man alle denen die uns in Gegenwart von fünf Arten von Leuten Geringschätzung zeigen: nämlich A von solchen nach deren Hochschätzung wir trachten B vor solchen welchen wir bewundern C vor solchen vor welchen wir bewundert zu werden wünschen oder D vor denen wir uns schämen oder [schluss-] endlich E vor solchen die sich vor uns schämen."


"Ferner denen welche sich für geleistetes Gute nicht dankbar erweisen. Denn hier ist die Geringschätzung eine Verletzung der gebührenden Schuldigkeit."


"Ferner denen die uns mit scherzender Ironie behandeln, wenn wir ernsthaft sind. Denn die Ironie hat immer etwas von Verachtung."


"Es ergibt sich also, dass der Redner die Aufgabe hat, die Zuhörer mittels der Rede in eine solche Verfassung zu versetzen, in welchem sie zu Zorne geneigt sind. Und die Gegener als solcher Dinge schuldig darzustellen worüber man zürnt. Und als Leute solcher Art denen man zürnt."


"Das Zürnen ist der milden Stimmung und der Zorn der Milde entgegen gesetzt."


"...mild gestimmt ... ferner gegen die welche unserem Ernste gegenüber gleichfalls ernst zeigen."



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