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Platon Sämtliche Dialoge [12.12.2021]


„Mein Kallias: wenn deine Söhne Füllen oder Kälber wären, dann liesse sich gegen Lohn ein Wärter für sie finden, der sie zu trefflichen und guten Vertrettern der ihrer Gattung zukommenden Tüchtigkeit zu machen hätte. Es wäre das ein Pferdezüchter oder ein Landwirt. Bei dir aber handelt es sich um Menschen. Wen also gedenkst du ihnen zum Erzieher zu geben? Wer versteht sich auf diese Art von Tüchtigkeit die des Menschen und Bürgers. Denn du hast dir die Sache gewiss überlegt in Rücksicht auf deine Söhne? Gibt es einen solchen? Fragte ich ihn. Oder gibt es einen solchen nicht? Gewiss erwiderte er. Wer ist es und woher? Und wie hoch ist der Preis?“


„Diesem Mann bin ich allerdings an Weisheit überlegen, denn wie es scheint, weiss von uns beiden keiner von uns etwas rechtes oder ordentliches. Aber er bildet sich ungeachtet seiner Unwissenheit ein etwas zu wissen, während ich meiner Unwissenheit mir bewusst, mir auch nicht einbilde etwas zu wissen. … Was ich nicht weiss, das bilde ich mir auch nicht ein zu wissen.“


„….indem er die Jugend verdirbt… das ist der Gegenstand der Anklage.“ Replik: „Legst du nicht den grössten Wert auf die sittliche Besserung der Jugend? - Gewiss - … Wer macht sie den besser? Nun nenne also auch den, der sie bessert? Siehst du… du schweigst und weisst nichts zu sagen?“ „Es wäre auch ein unerhörtes Glück für die Jugend, wenn es nur einen gebe der sie verdirbt. Alle anderen sich aber ihr förderlich erwiesen.“


Behauptung: "Kein Mensch ist seines Lebens sicher, der Euch oder einer anderen Volksmenge offen und ehrlich entgegen tritt ... um auch nur kurze Zeit sein Leben zu fristen ... auf den Einzelverkehr beschränken und auf die Beteiligung an den öffentlichen Angelegenheiten verzichten."


"ich lasse mich fragen und wer will kann antworten und hören was ich sage. Und ob nun ein Frager ein tüchtiger Mann wird oder nicht, dafür bin billigerweise nicht ich verantwortlich. Denn ich habe ja nie irgendeinem Unterricht versprochen oder erteilt. Und behauptet etwa jemand er habe von mir beiseits etwas gerlernt oder gehört was nicht auch alle anderen hören konnten, so könnt ihr überzeugt sein, dass er die Unwahrheit sagt."


"aber auch abgesehen von dem guten Ruf ... scheint es mir auch schon vom Standpunkt des strengen Rechtes verwerflich die Gnade des Richters anzuflehen und durch Bitten die Freisprechung zu erwirken statt durch belehrende und überzeugende Aufklärung. Denn nicht dazu hat der Richter seinen Platz eingenommen um nach [der] Gunst des Rechtes zu walten, sondern um unparteiisch den Sachverhalt fest zu stellen. Und durch seinen Richtereid hat er sich nicht verpflichtet, sich dem dem er nach Gutdünken sein Wohlwollen schenkt gnädig zu erweisen, sondern sein Richteramt streng nach den Gesetzen auszuüben. Also weder wir dürfen euch daran gewöhnen Meineidig zu werden, noch dürft ihr euch daran gewöhnen."


"... scheint es sich mit dem zu verhalten was die Leute Lust nennen. In sonderbarem Verhältnis steht sie zu dem was man als ihr Gegenteil ansieht: zu der Unlust. Zusammen mögen sie nicht zum Menschen kommen, wenn man aber dem einen nachjagt und es ergreift, so kann man kaum anders als auch das andere mit zu ergreifen. Es sind gleichsam zwei verschiedene Wesen, aber mit gemeinsamen Scheitelpunkt. Hätte Äsop sein Augemerk darauf gerichtet, so hätte er vermutlich eine Fabel daraus gemacht."


"Darum muss wenn man das eine bekommt, nachher auch das andere mit dabei sein. So schein es denn auch bei mir zu sein. Erst war infolge der Fesselung der Schmerz in dem Beine und nun schein sich als Folge das Angenehme einzustellen."


".... sogenannte Mässigung anlangt. Nämlich dass man sich nicht von Begierden aufregen [synonym für anregen bzw. erregen] lässt sondern sich gelassen und sittsam verhält... Ist es nicht also die Furcht vor noch grösseren Übeln, die die tapferen unter ihnen dem Tod entgegen gehen lässt, wenn sie ihm entgegen gehen? ... Das Sich-fürchten also und die Furcht macht sie alle tapfer, ausser den Philosophen. Es ist aber doch widersinnig aus Furcht und Feigheit tapfer zu sein? ... Wie aber steht es mit den Sittsamen unter ihnen? Nicht genau ebenso? Sind sie nicht in Folge einer Art Zügellosigkeit massvoll? Dies aber behaupten wir sei unmöglich, aber gleichwohl ist das was ihnen bei dieser einfältigen Mässigkeit begegnet jedem Falle ganz ähnlich. Denn sie fürchten andere Annehmlichkeiten verlustig zu gehen, nach denen sie doch starkes Verlangen tragen. Und darum enthalten sie sich der einen weil sie von anderen beherrscht werden und nicht von ihnen lassen können."


"Man nennt es aber doch Zügellosigkeit wenn man von den Lüsten beherrescht wird. Gleichwohl steht es bei ihnen so, dass sie von Lüsten beherrscht andere Lüste beherrschen. Das aber kommt etwa auf das eben Gesagte hinaus, nämlich dass sie in gewissem Sinne aus Zügellosigkeit besonnen sind. ... dass ist doch schwerlich [wohl kaum] der richtige Weg zur Tugend - dies Tauschgeschäft vermöge dessen man Lust gegen Lust und Unlust gegen Unlust und Furcht gegen Furcht und überhaupt Grösseres gegen Kleineres eintauscht ..."


"... wie bei Münzen. Vielemehr ist jene Münze allein die rechte, für die man alles dies eintauschen muss, nämlich die Vernunftserkenntnis. Ihr gehört alles. Und mit ihrer Hilfe wird alles in Wahrheit gekauft und verkauft. Sowohl Tapferkeit wie Mässigung und Gerechtigkeit. Überhaupt alle Ware auf Vernünftigkeit gegründete Tugend ... Werden sie aber von der Vernunftserkenntnis losgelöst und nur gegeneinander vertauscht, so dürfte eine Tugend heraus kommen, die nur eine Art Schattenbild ist und sklavische Sinnesart verrät ohne Gesundheit und Wahrheit. Während doch in Wahrheit die Tugend eine Art Reinigung von alledem ist und die Mässigung und die Gerechtigkeit und Tapferkeit und die Vernunftserkenntnis selbst eine Art heilige Weihe ist."


"… mit dem Kauf hat es also hier keine weitere Gefahr. Kenntnisse aber kann man nicht in einem besonderen Gefässe wegtragen. Sondern hat man einmal den Kaufpreis erlegt, so muss man sie unmittelbar in die Seele aufnehmen und sich mit ihrem Besitze abfinden. Gleich viel ob es einem zum Schaden oder zum Nutzen ausschlägt.“


"... so ist er mir denn wie mir schein vom Verlange beseelt im Staate eine hervorragende Rolle zu spielen. Dies glaubt er am besten erreichen zu können wenn er bei dir in die Leere geht. Nun also prüfe ob du glaubst darüber mit uns allein oder im beisein der Andernen verhandeln zu sollen?"


"Denn wer als Fremdling grosse Städte besucht und in ihnen die tüchtigsten Jünglinge zu bestimmen sucht, ihren Umgang mit den Anderen, seien es Verwandte oder ferner Stehende, Ältere oder Jüngere aufzugeben und sich ihm anzuschliessen. In der Hoffnung durch seinen belehrenden Umgang sittlich gefördert zu werden, der hat alle Ursache vorsichtig zu sein bei seinem Auftreten. Denn nicht geringer Neid und sonstige Feindschaft und Anschläge aller art wachsen ihm daraus."


"... nur das ihre Vertreter unter den Männern der Vorzeit aus Furcht vor dem Anstössigen derselben einen schützenden Vorwand suchten. Demgemäss [ver]steckten sich die einen hinter dem Deckmantel der Poesie wie Homer, Esiot, Simonides. Andere hielten es mit weihevollen Bräuchen und Sehersprüchen wie Orpheus und Museus und ihre Anhänger. Einige sogar wenn ich recht beobachtet habe mit der Gymnastik wie Ikos aus Tarent und Herodikos aus Silimbria, ursprünglich aber aus Megava. Der noch heute hinter keinem anderen Sophisten [Weiser; Wissender] zurück steht. Die Musik aber nahm euer Mitbürger Agatokles zum Vorwand, ein hervorragender Sophist. Und Pytokleides aus Keos und noch viele andere."


"Alle diese bedienten sich wie gesagt aus Furcht vor Missgunst dieser Künste als Deckmantel."


"Sich also aufzumachen um davon zu laufen und es doch nicht durchführen zu können, sondern sich dabei ertappen zu lassen, ist eine grosse Torheit. Auch wenn es sich um einen blossen Versuch handelt. Und führt nur dazu dass man sich die Menschen noch mehr zu Feinden macht. Denn sie halten einen solchen Menschen abgesehen von allem anderen auch noch für einen Bösewicht."


"Ich habe also einen Weg eingeschlagen der gerade das Gegenteil davon ist: ich räume offen ein ein Sophist zu sein und die Menschen durch Bildung zu fördern. Und ich denke es ist dies eine besser Art von Vorsicht als jene. Nämlich es offen einzugestehen anstatt es zu leugnen. Und auch sonst bin ich noch auf mancherlei Vorsichtsmassregeln bedacht gewesen, so dass mir Gott sei dank mein freies Eingeständnis ein Sophist zu sein nicht zum Schaden gereicht."


"Kannst du uns also in einleuchternder Weise nachweisen, dass die Tüchtigkeit [bzw.] die Tugend lehrbar ist? Ja dann enhalte uns diesen Nachweis nicht vor, sondern gib in uns. - Gut mein Sokrates, er soll euch nicht vorenthalten werden. Aber soll ich euch als Älterer der Jüngeren den Nachweis durch Mitteilung eines Mythos oder eine begriffsmässige Erörterung?"


"...diese beide entstanden, die Erde und Eros ... erschuf sie [die Erde] den Eros."


"fände sich nur ein mögliches Mittel einen Staat oder ein Heer aus lauter Liebhabern und Geliebten zu bilden, so könnte es gar kein besser gestaltetes Gemeinwesen geben als das ihrige. Denn alles Schimpfliche wäre ausgeschlossen und all ihr Wetteifer wäre auf die Ehre gerichtet."


"... und nach Vollführung dieser Tat, schien sie nicht nur in den Augen der Menschen sondern auch in den Augen der Götter so herrliches Werk vollbracht zu haben, dass sie die Götter in Bewunderung ihrer Tat ihre Seele aus dem Hades zurück kehren liessen. Während sie sonst angesichts zahlreicher herrlicher Taten manch anderer doch nur ganz wenige der Auszeichnung würdigten, ihre Seele aus dem Hades wieder frei zu geben. So ehren auch die Götter die Tugendhafte Eifer für die Liebe."


"... so behaupte ich denn das Eros … der älteste und geehrteste und dass er der wirksamste Führer der Menschen zu Tugend und Glück ist.“


"...bestrebt aus zweien eins zu machen und der menschlichen Natur Heilung zu schaffen. Jeder von uns ist daher nur das Halbstück eines Menschen. Weil wir gespalten wie die Schollen aus einem zwei geworden sind. Jeder sucht demnach beständig das ihm entsprechende Gegenstück.“


“Wer nun nicht glaubt bedürftig zu sein, der trägt natürlich auch kein Verlangen nach dem dessen er nicht zu bedürfen glaubt.“


"Bezeichnet man doch auch jedes einzelne Geschöpf während seiner Lebenszeit als das Nämliche. Wie man zum Beispiel von einem Knäbchen als von der selben Person spricht bis ins Greisenalter. Seine Stoffmasse ist in beständigem Wechsel und doch bezeichnet man ihn als den Selben. Während er tatsächlich sich beständig erneuert und das Alte verliert. Als da sind Haare, Fleisch, Knochen, Blut, kurz den ganzen Körper. Und das gilt nicht etwa nur vom Körper sondern auch von der Seele: Sinnesart, Charakter, Ansichten, Begierden, Gefühle der Lust, Unlust, der Furcht. Nichts bei alledem bleibt bei dem Einzelnen immer sich gleich, sondern es findet sich ein beständiger Wechsel von entstehen und vergehen statt."


"Und noch weit auffälliger ist es, dass auch die Kenntnisse - nicht etwa bloss in ihrem gegenseitigen Verhältnis zu einander den Wechsel des Entstehens und Vergehens in uns unterworfen sind. So dass wir auch in Bezug auf die Kenntnisse niemals die selben sind. Nein. Auch mit jeder einzelnen Kenntniss hat es dieselbe Bewanntnis. Denn wenn man von Nachsinnen spricht, so geschieht das in der Voraussetzung, dass das Wissen verschwinde. Vergessen nämlich ist das Verschwinden einer Kenntniss. Nachsinnen aber erneuert die Erinnerung an die schwindende Kenntnis und gibt ihr wieder Halt. So dass sie dieselbe zu sein scheint."


"Jedes fühlende Wesen sucht im Leben dauernde Befriedigung seines Gefühls, sucht Eudemonie [also] Glückseligkeit. Auf dieses Ziel ist immer sein Streben gerichtet. Weil man aber die Glückseligkeit dadurch bestimmen kann, dass sie im Besitz des Guten bestehe, darf man auch sagen: Jedes fühlende Wesen verlangt und sucht immer das Gute."


"Er verachtet und verabscheut die Sinnlichkeit nicht, aber die geistigen Bedürfnisse von ihm als die viel stärkeren eingeschätzt. Geistige Kinder begründen zwischen den zu ihrer Erzeugung verbundenen eine viel engere und festere Gemeinschaft als die auf leiblichen Kindern beruht. Auch der Ruhm der aus geistigen Erzeugnissen erwächst ist viel grösser und dauerhafter als als der, dem etwa leibliche Nachkommen einem Menschen zu sichern vermögen. Damit wird auch das leidenschaftliche Wahrheitssuchen auf Eros zurück geführt. Und man versteht wie der philosophische Erkenntnistrieb unter gemeinsamen Namen zusammengefasst werden kann mit dem sinnlichen Triebe."


"Von dessen [sinnlicher Triebe] Regungen doch gilt, was Platon an anderer Stelle doch ausspricht - nämlich dass sie den Menschen am meisten betören und von geistiger Arbeit abziehen. Auch die Betätigung des Wahrheitstriebes, des philosophischen Eros kann sich der Schüler des Sokrates nicht denken in Vereinsammung."


"Ein Stoss des Nordwinds habe das Mädchen über die nahen Felsen herabgeworfen, zu samt ihrer Gespielin Farmakeia. Da sie auf diese Weise ihren Tod gefunden, habe man gesagt sie sei von Boreas dahin gerafft worden, oder auch vom Areshügel aus. Denn auch so wird die Sage erzählt, von dort und nicht von hier sei sie entführt worden. Ja. Im Ernst aber Phaidros finde ich dergleichen Erklärungen recht hübsch. Nur erfordern sie gar zu grosse Kunst und Mühe."


"Wer sich dagegen ungläubig verhält und jedes einzelne nach Regeln der Wahrscheinlichkeit ausdeuten will, der wird mit seiner Hausbackenen Weisheit viele freie Stunden verwenden müssen. Zu solchem Geschäft habe ich aber keine freie Stunde."


"Darum also lasse ich diese Geschichten auf sich beruhen und indem ich der herkömmlichen Meinung darüber folge, nicht solches zu erforschen."


„…weil sie bereit sind mit Worten und Taten anderen sich zu verfeinden um ihrem Geliebten gefällig zu sein.“


“…dass ihnen künftig alle die mehr am Herzen liegen werden in die sie dann verliebt sein werden und dass sie offenbar wenn es jenen beliebt auch ihren jetzigen Geliebten böses zufügen werden.“


„Und gewiss empfinden von den Verliebten manche Verlangen nach dem Körper ehe sie den Charakter eines Knaben kennen gelernt haben und mit seinen häuslichen Verhältnissen vertraut geworden sind. So dass es unklar ist, ob sie ihm auch dann noch werden Freund sein wollen, wenn sie ihren Trieb gestillt haben.“

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