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  • Flamur Shala Grendel strasse 19 6004 Luzern

Theodor Storm Die Regentrude [05.09.2022]

Updated: Dec 22, 2022


[Cash. Bild von Flamur Shala am 23.04.2022.]


[Gedanken zum Grundeinkommen von Flamur Shala bis zum 05.09.2022]


"Einen so heissen Sommer wie 100 Jahren hat es seitdem nicht mehr gegeben."


"Er hatte vor Jahren eine bedeutende Fläche sumpfigen Wiesenlandes um einen geringen Preis erworben. Und die letzten dürren Jahre welche auf den Feldern seiner Nachbarn das Gras versenkten hatten ihm die Scheuern mit duftendem Heu und dem Kasten mit blanken Krontalern gefüllt. So stand er auch jetzt und rechnete was bei den immer steigenden Preisen der Überschuss der Ernte für ihn einbringen könnte. 'Sie kriegen alle nichts!' murmelte er. Indem er die Augen mit der Hand beschattete und zwischen den Nachbarsgehöften hindurch in die flimmernde Ferne schaute. Es gibt gar keinen Regen mehr in der Welt. Da ging er an den Wagen der eben abgeladen wurde. Er zupfte eine handvoll Heu heraus und führte es an seine breite Nase und lächelte so verschmitzt, als wenn er aus dem kräftigen Duft noch einen Krontaler mehr herausriechen könne."

[Es ist der gleiche Mensch in zwei verschiedenen Positionen. Das Grundeinkommen als Versicherung bzw. Absicherung gegen die eigenen charakterliche Veränderung.]


[Beispiel charakterlicher Veränderung auch wenn nur situativ erleben wir alle: -Im Service herum kommandiert werden und dann in den Ferien (in einer anonymen Umgebung) genau gleich herum kommandieren. -Das zur Schau stellen von Reichtum verpönnen bis wir selber in jener Position sind. -Egoistisches Verhalten verurteilen und dann in der Position wo Solidarität möglich ist nicht solidarisch handeln. -Eigenes Fehlverhalten verzeihen aber nicht das Fehlverhalten anderer. -Eigene verbale Entgleisung nachvollziehen aber nicht jenes einer anderen Person. -Natürliches Verhalten bei sich selber verstehen aber bei anderen nicht nachvollziehen können.]


[Solche situative Veränderungen des Charakters haben verschiedene Ursachen: -In die Fussstapfen des Peinigers treten entweder um es nachzuvollziehen oder um dadurch eine Art Gleichgewicht bei sich selber zu erreichen: in Wahrheit wird ein Ungleichgewicht weitergegeben und dadurch immer weiter empfangen. Keiner will die negative Kette bei sich unterbrechen. -In eine Führungsposition hinein wachsen bei der es eine Rolle spielt nur über ausgesprochenes zu kommunizieren um über Körpersprache nicht gelesen werden zu können. In wie weit ist dies inzwischen anachronistisch? Die meisten Geschäftleute und Politiker auf der Welt können über Internet direkt oder indirekt über die Familie und Bekannten abgelesen werden.]


[Führt das Grundeinkommen zu einer besseren zwischenmenschlichen Kommunikation und dadurch zu einem friedlicheren Zusammenleben? Weil wir uns dann wieder natürlicher Verhalten können und entsprechend ein bessers Abbild des natürlichen Verhaltens erhalten. Dies mindert Missverständnisse in der Kommunikation. Die meisten Verschwörungstheorien haben ihren Ursprung in der Verkennung der situativen Veränderung des Charakters. Verringert sich die Anzahl und Intensität der Verschwörungstheorien mit dem Grundeinkommen?]


" 'Was ihr auf dem Herzen habt?' Die Witwe blickte zu Boden. 'Ihr wisst wohl.' sagte sie, die 50 Taler die Ihr mir geliehen. Ich soll sie auf Johanni zurück zahlen. Und der Termin ist vor der Tür.' Der Bauer legte seine fleischige Hand auf ihre Schulter. 'Nun macht Euch keine Sorgen Frau, ich brauche das Geld nicht. Ich bin nicht der Mann der aus der Hand in den Mund lebt. Ihr könnt mir Eure Grundstücke dafür zum Pfand einsetzen. Sie sind zwar nicht von den Besten, aber mir sollen sie diesmal gut genug sein.' "

"Der Wiesenbauer hatte seine kleinen klugen Augen nicht von ihr gelassen 'und' fuhr er fort: 'Weil wir hier einmal beisamen sind, so will ich euch auch sagen, der Andres - euer Junge - der geht nach meiner Tochter.' 'Du lieber Gott Nachbar, die Kinder sind ja miteinander aufgewachsen.' 'Das mag sein Frau, wenn aber der Bursche meint, er könne sich hier in die volle Wirtschaft einfreien, so hat er seine Rechnung ohne mich gemacht.' [Sie fragt nach einer Begründung. Er weist auf auf Trockenheit hin und der damit einhergehenden Abhängigkeit auf sein ehemaliges Sumpfland hin.]


[Das Grundeinkommen müsste in solch einer Situation bereits vor der Trockenperiode eingeführt werden. Dann ist der Wiesenbauer mit seinem Sumpfland in normalen Zeiten abgesichert. Und in der Trockenperiode sind dann alle anderen abgesichert. Das Gleiche gilt auch jetzt: das Grundeinkommen sollte idealerweise bereits vor der vollständigen Robotisierung der Betriebe diskutiert und eingeführt werden. Wartet man zu lange ab, so ist der Wiesenbauer daran interessiert sich die stärksten Bauern bereits vorher herauszupicken und zu beseitigen, damit sie beim Einsetzen der Trockenperiode keinen Aufstand mehr machen können. Je nach Präferenz wird er sich die Frauen welche seinem Geschmack entsprechen für Spass zur Seite stellen und die anderen zum Schuften verwenden.]


[Nun könnte ein anderer Bauer (vorher)sehen was auf diese Gemeinschaft zu kommt und versucht sein dem Wiesenbauer sein Land streitig zu machen: angenommen er beseitigt den Wiesenbauer oder enteignet ihn. Dann ändert sich für die Gemeinschaft gar nichts: -die restlichen stärksten Bauern bleiben weiterhin Zielscheibe -die Bäuerinnen müssen weiterhin schuften -und die dem Geschmack entsprechenden Frauen müssen dann einfach mit einem anderen schlafen, mit dem sie eigentlich auch nicht unbedingt ins Bett gehen möchten.]


[In einem solchen Fall ist es also sinnvoller das Grundeinkommen rechtzeitig einzuführen, so lange es allen gut geht (Mittelschicht vorhanden). Dann können gesellschaftlich schädende Verhaltensweisen über das Grundeinkommen immer noch geregelt werden. Die Alternative: die Gesellschaft wartet ab, die Mittelschicht bricht weg und damit gerät die Gesellschaft in eine lange nicht mehr dagewesene Abhängigkeit bei der der Sumpflandbesitzer und seine Handlanger die Regeln nach ihrem eigenen Gutdünken für die gesamte Gesellschaft festlegen. Wie erkennt man sowas? Indikatoren: -Florieren von Herumsteh-Jobs: drucken, Kaffee holen und spionieren. -Ineffizientes Arbeiten ist nicht für den eigenen Betrieb (Vorgesetzte, Arbeitskollegen sowie der Mitarbeiter selber) sondern sogar für Kunden sichtbar. -Aberglaube nimmt zu: hoffen auf Wunder]


[Nach langer Zeit:] "Und dann rauschte es her nieder: mächtig und unablässig. Marin sass aufgerichtet und mit gefalteten Händen. 'Frau Trude, es regnet.' "


[Theodor Storm: Die Regentrude (1863)]


"Und wenn es wieder drei Jahre regen geben sollte, so ist es am Ende doch so übel nicht, wenn Höhen und Tiefen bei einander kommen. Darum geht hinüber zu Mutter Stine, da wollen wir die Sache allfort in Richtigkeit bringen."

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